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Sie glauben, ihre digitalen Verkäufe sind durch PayPal geschützt?

PayPals Verkäuferschutz gilt nicht für digitale Waren. Überrascht? Damit sind Sie nicht allein. Viele E-Commerce-Händler bieten Ihren Kunden PayPal als alternative Zahlungsmethode an, da Sie einen sicheren Online-Verkauf gewährleisten möchten. Darüber hinaus genießt PayPal bei Kunden großes Vertrauen und arbeitet mit 25 Währungen weltweit.

Doch bevor Sie etwas verkaufen, sollten Sie einmal das Kleingedruckte in PayPal’s Nutzungsvereinbarungen genauer betrachten.

Die Fakten über PayPal’s Verkäuferschutzrichtlinien

Der Verkäuferschutz von PayPal deckt zwei verschiedene Ansprüche ab:

  1. Unautorisierte Transaktionen: Der Kontoinhaber behauptet, die Zahlungen nicht autorisiert zu haben
  2. Artikel nicht erhalten: Der Käufer zahlt für einen Artikel, behauptet aber, diesen niemals erhalten zu haben

Sollten Ihre Transaktionen mit den Anforderungen PayPals übereinstimmen (z.B. wenn Sie die Lieferung nachweisen können, Sie ehrlich hinsichtlich aller Abweichungen sind und innerhalb von sieben Tagen an die angegebene Adresse versenden), haben Sie nichts zu befürchten.

PayPal schützt jedoch keine Verkäufe digitaler Waren und Dienstleistungen, sondern nur materieller Güter.

Das heißt, dass beim Verkauf immaterieller Artikel wie Tickets, Fahrausweisen, E-Books und Musik PayPal Sie nicht schützt, wenn ein Kunde Ansprüche gegen Sie erhebt.

Andere Fälle, bei denen PayPal Sie als Händler nicht schützt

Abgesehen von offensichtlich verbotenen Artikeln wie Waffen, Drogen und Fälschungen (Ich gehe davon aus, dass Sie so etwas nicht verkaufen, aber man weiß ja nie), greift PayPal’s Verkäuferschutz nicht bei:

  • Artikeln, die erheblich von der angegebenen Beschreibung abweichen
  • Transaktionen, die über PayPal Direct, Virtual Terminal, PayPal Business oder PayPal Here abgewickelt wurden
  • Empfang mehrerer Zahlungen für ein und denselben Artikel

Ansprüchen, die über einen eBay-Account geltend gemacht werden

Wahnsinn! Also schützt PayPal digitale Händler überhaupt nicht?

Naja, das stimmt nicht ganz. Es existiert zumindest ein Quentchen Schutz.

Im Jahr 2015 und als Antwort auf die steigende Beliebtheit digitaler Einkäufe über seine Plattform, erweiterte PayPal seinen Käuferschutz, um Kunden immaterieller Waren und Dienstleistungen zu schützen. Dazu gehören z.B. Musik, e-Books, Fahrkarten und Software-Downloads.

Wenn ein Kunde jetzt also eine digitale Dienstleistung oder ein digitales Produkt, das er über PayPal gekauft hat, nicht erhält oder diese deutlich von der Beschreibung abweichen, kann er oder sie den Käuferschutz in Anspruch nehmen.

Um diese Ansprüche jedoch stellen zu können, muss PayPal’s Konfliktlösungsprozess befolgt werden.

Das hilft digitalen Händlern auf zwei Arten:

  1. Der Prozess animiert den Käufer, sich direkt mit dem Verkäufer in Verbindung zu setzen und er muss nachweisen, dass er das Produkt erhalten hat, um Ansprüche geltend zu machen. Das kann Betrüger abschrecken, weil diese beweisen müssen, dass sie einen Artikel erhalten haben (was sie vermutlich nicht haben).
  2. Wenn Sie einwandfreie Liefernachweise zur Verfügung stellen, können Sie den Anspruch eines Kunden bei “Artikel nicht erhalten” erfolgreich in Frage stellen.

Die größten Ausnahmen für diesen erweiterten Käuferschutz sind Zahlungen an Crowdfunding-Seiten und Glücksspiel/Spiele-Seiten. Diese Branchen sind einfach zu risikoreich. Das Gleiche gilt für Artikel, die Bargeld gleichgestellt werden, wie z.B. Gutscheine.

Wenn Sie also Gutscheine oder Spielprodukte über PayPal anbieten, sollten Sie sich darüber im Klaren sein, dass PayPal Kunden dieser Artikel keine Beträge zurückerstattet.

Was bedeutet der erweiterte Käuferschutz für digitale Händler?

PayPals Käuferschutz bietet für digitale Händler einen Vorteil: immer mehr Kunden werden dazu angeregt, digitale Waren und Dienstleistungen zu kaufen. Der Nachteil ist, dass Sie – sollten sie mit der Geltendmachung eines Kundenanspruchs nicht einverstanden sein – “überzeugende” Beweise für die Transaktionen zur Verfügung stellen müssen.

Das kann bei der Lieferung immaterieller Güter ein bisschen schwierig sein. Sie können nicht einfach einen DHL-Liefernachweis beifügen.

Die Art des überzeugenden Beweises, den Sie bei einem Disput mit einem Kunden abliefern müssen, hängt von der Art der von Ihnen verkauften Waren oder Dienstleistungen ab. Ein Beispiel wäre, dass Sie dem Käufer einen Link zur gekauften Datei fristgerecht zur Verfügung gestellt haben, der Käufer Zugriff auf diese Datei hatte und diese heruntergeladen hat.

Also hat PayPal nicht gleichzeitig auch seine Verkäuferschutzrichtlinien ausgeweitet, um auch digitale Händler zu schützen?

Ja, genauso ist es!

Das einzige, was PayPal gleichzeitig getan hat ist, den Deckungsbetrag für Kunden der meisten digitalen Waren von 45 auf 180 Tage auszuweiten, was dem Käufer mehr Zeit gibt, einen Streitfall zu eröffnen. Das ist sogar ein noch längerer Zeitrahmen, als ihn Kreditkartenfirmen anbieten.

Betrüger haben sich mit Sicherheit die Hände gerieben, als sie diese guten Nachrichten vernommen haben.

Ich würde Ihnen, zu Ihrem eigenen Schutz, Folgendes empfehlen:

  • Achten sie darauf, dass Ihre Allgemeinen Geschäftsbedinungen (AGBs) keine Schlupflöcher enthalten
  • bewahren Sie sämtliche Aufzeichnungen, E-Mails und Protokolle auf, für den Fall, dass ein Kunde einen Anspruch geltend macht
  • nutzen Sie ein Zahlungsportal, das Ihnen sämtliche Zahlungen, sogar solche über PayPal, garantiert

Verstehen Sie mich nicht falsch. PayPal ist eine ausgezeichnete, alternative Zahlungsmethode und bei Kunden in Europa und Nordamerika extrem beliebt. Sie sollten sich aber einfach darüber im Klaren sein, dass beim Verkauf digitaler Waren und Dienstleistungen, PayPal Ihnen keinen Verkäuferschutz bietet.